Team der Dekade 2005-2015 – Teil 1

This piece is written in German, but, of course, one should still be able to comprehend my team selection.

Eine Vorbemerkung: Unter einem Team der Dekade stellt man sich meistens so etwas vor wie “Team der 80er” oder “Team der 90er”. Beschränkt man sich jedoch auf das Zusammenstellen solcher Teams, dann läuft man Gefahr die Spieler, die um einen Dekadenwechsel herum den Höhepunkt ihrer Karriere hatten unfairerweise unberücksichtigt zu lassen. Ein Beispiel: Xavi hatte seine beste Zeit von ~2008 bis ~2012. Während dieser Periode war er einer der prägenden Gestalten des Weltfußballs, gewann alles, was es zu gewinnen gab und lieferte durchweg extrem starke Leistungen. Trotzdem würde er es vermutlich nicht in eine Elf der Dekade 2000-10 schaffen und auch in einem Team 2010-20 wird er eher nicht vertreten sein. Nicht weil er zu schlecht war oder sein Leistungspeak zu kurz anhielt, sondern weil er einfach Pech hatte, um einen Dekadenumbruch herum seine besten Leistungen zu zeigen. Daher stelle ich neben Teams der Dekade der Form ‘X0 – ‘Y0 auch Teams der Dekade der Form ‘X5 – ‘Y5 zusammen. So ist gewährleistet, dass kein Spieler übersehen wird, nur weil seine besten Leistungen um einen Dekadenumbruch herum stattfanden. Auch dieses Modell ist den Spielern gegenüber nicht vollständig fair. So haben die Spieler die beste Chance, in eine solche Elf zu kommen, die zu Beginn des Zeitraumes ca. 21-22 Jahre alt waren. (Im Falle von Torhütern vielleicht eher 24-25 Jahre.) Der Hauptteil ihrer Karriere liegt dann exakt im Zeitrahmen für die Auswahl. Man könnte dieses Problem dadurch lösen, in dem man einfach jedes Jahr eine Elf der Dekade für die jeweils letzten 10 Jahre benennt. Dies ist mir aber etwas zu viel und ich bleibe lieber bei dem oben beschriebenen Kompromiss.

Hier also nun meine Elf:

0515

Manager: Pep Guardiola

Bench: Buffon, Cech, Casillas; Zanetti, Abidal, A. Cole; Hummels, Vidic, Puyol, Chiellini, Nesta, Pique; S. Ramos, Maicon, Srna; Schweinsteiger, Cambiasso, X. Alonso; Pirlo, Lampard, Scholes; Kaka, Fabregas, Modric; Ribéry, D. Villa, Di Maria; Ibrahimovic, Rooney, Drogba; Agüero, T. Müller, Eto’o

Best player: Lionel Messi

Best team: FC Barcelona 2008-12

Best club: FC Barcelona

Best match: FC Barcelona – Real Madrid 5-0, 29.11.2010

Ich gehe nun die einzelnen Positionen durch und sage jeweils ein paar Worte zu meiner Auswahl.

Manuel Neuer

Die Tradition deutscher Spitzenkeeper ist lang und enthält einige ganz große Namen. Kahn, Maier und Schumacher gehören auch international und epochenübergreifend in die Elitegruppe der Torhüter. Manuel Neuer ist das jüngste Mitglied dieses Stammbaums und ist auf bestem Wege seine Vorgänger noch zu übertrumpfen. Nun mag man vielleicht einwenden: Ist es nicht etwas früh für solche Aussagen? Zeige ich hier nicht eine nicht gut begründbare Präferenz für die Gegenwart? Ist Neuer wirklich so gut? Ich kann darauf nur antworten: Ja, der Neuer ist so gut. Die Leistungen, die er in den letzten Jahren gebracht hat, können sich mit allem messen, was deutsche und internationale Torhüter der Fußballgeschichte geleistet haben. Das Kronjuwel in Neuers bisheriger Karriere dürfte hierbei die Weltmeisterschaft 2014 sein. Ich habe noch kein besseres Turnier eines Torhüters gesehen – und ja, ich erinnere mich an Kahn 2002. Neuer 2014 war besser, und das nicht nur aufgrund von Kahns Patzer im Finale.

Wenn es um Manuel Neuers Fähigkeiten als Torwart geht, dann wird immer wieder hervorgehoben, wie revolutionär seine Interpretation der Torhüterposition sei. Neuers Aktionsradius erstreckt sich routinemäßig weit über seinen Strafraum hinaus aus. Der gewaltig große Raum, der so von ihm abgesichert wird, ermöglicht es seinem Team, mit einer sehr hohen Verteidigung zu spielen, was wiederum dazu führt, dass man größeren Druck auf den Gegner in dessen eigener Hälfte ausüben kann. Neuers Modernität ist also mit den modernen taktischen Tendenzen des Spiels als Ganzem verbunden. Nun ist es zweifelsohne korrekt, wenn eingewandt wird, dass auch bereits andere Torhüter ähnliche Charakteristika in ihrem Spiel aufwiesen. Namen wie Lew Jaschin oder Edwin van der Sar fallen –  und sie fallen zu Recht! Neuer macht in gewisser Weise nichts völlig Neues, sondern zeigt bekannte Eigenschaften in einem signifikant extremeren Umfang. Auch andere Keeper haben den Strafraum verlassen, um Bälle abzulaufen, auch andere Keeper hatten weite und präzise Einwürfe in petto, auch andere Keeper konnten gepflegt mitspielen. Ja, stimmt, aber Neuer macht all dies so häufig, so selbstverständlich und auf zum Teil so extreme Weise, dass die Rede von einer individualtaktischen Revolution durchaus angebracht ist.

Philipp Lahm
Links oder rechts? Die alte Frage im Bezug auf Philipp Lahm stellt sich auch hier wieder. Allein die Tatsache, dass es außer Frage steht, ob Lahm in diese Elf gehört, sondern wir uns nur fragen müssen, wo er spielt, sagt viel über die Qualität dieses Spielers aus. Ich stelle ihn hier auf links auf; schlicht und einfach, weil die anderen Linksverteidiger aus meiner Sicht etwas schwächer sind als die anderen Rechtsverteidiger. Ich optimiere die Qualität meiner Elf daher, in dem ich Lahm auf links stelle.

Über meine Wahl als Rechtsverteidiger, Dani Alves, wird gerne mal gesagt, er habe die Interpretation der Außenverteidigerposition revolutioniert. Wie er die ganze Länge des Platzes für sich beansprucht, sei etwas Neues gewesen, was große Auswirkungen auf unser Verständnis der Rolle eines Außenverteidigers gehabt habe. Ich denke, das stimmt nicht ganz. Es gab auch vor Dani Alves bereits diesen Typus des Außenverteidigers, der als menschliches Energiebündel sowohl vorne immer wieder aktiv war, als auch hinten die volle Arbeitslast eines typischen Außenverteidigers auf sich genommen hat. Grade Brasilien hat immer wieder solche Spieler produziert, wie z.B. Roberto Carlos.

Was hat das alles mit Philipp Lahm zu tun? Nun, wenn man über einen Außenverteidiger der letzten 10 Jahre sagen möchte, dass er die Interpretation seiner Position stark verändert hat, dann ist dies aus meiner Sicht nicht Dani Alves, sondern unser guter alter Philipp Lahm. Den Außenstürmer/Außenverteidiger-Hybriden gab es schon, aber Lahms Interpretation kann eher als Spielmacher/Außenverteidiger-Hybrid bezeichnet werden und dieser Typus ist in der Fußballgeschichte weitgehend unbekannt. Lahm trägt als Außenverteidiger auf ungewöhnlich hochklassige Art zum Spiel mit dem Ball seiner Mannschaft bei. Taktisch wie strategisch zeigt er sich, soweit ich das bewerten kann, als sehr kluger Spieler, der zudem über eine makellose Grundtechnik verfügt. Es wirkt daher gar nicht mal so überraschend, dass Guardiola ihn zu seinem Lieblingsschüler ernannt hat – Lahm hätte auch in Barcelonas La Masia-Akademie ausgebildet sein können. Er ist keine reine Durchlaufstation für das Kombinationsspiel seines Teams, sondern initiiert intelligente Kombinationen und zeigt sich dabei durchaus kreativ. Eine logische Folge dieser Charakteristika war seine Verlegung ins defensive/zentrale Mittelfeld. Mir fällt auf Schlag kein anderer Außenverteidiger ein, der jemals auf diesem Niveau zu einem kreativen Mittelfeldspieler umfunktioniert wurde. (Falls jemand einen kennt, kann er oder sie das gerne in den Kommentaren anmerken.) Auch dies spricht für Lahms Sonderstellung unter den Außenverteidigern.

Philipp Lahm ist offensichtlich kein physisch übermäßig furchteinflößender Spieler und hat große Stärken im spielerischen Bereich – bedeutet das, dass er defensiv eher schwach ist? Keinesfalls! Man sollte ihn vielleicht nicht regelmäßig in Kopfballduelle gegen Sergio Ramos oder Cristiano Ronaldo schicken, aber davon abgesehen verfügt Lahm über ausgezeichnete Defensivqualitäten. Neben seinem, gegeben sein Gesamtprofil, erwartbar guten Stellungsspiel und seiner starken Antizipationsfähigkeit, ist Lahm ein überraschend bissiger Zweikämpfer. Dies zeigt sich am besten in Form der „Philipp Lahm Trademark-Grätsche“. Viele Dinge, die auf Lahms Spielweise als Ganze zutreffen, zeigen sich in dieser Aktion: sie ist sauber, klar, effektiv und intelligent. Nicht schlecht für die sonst doch etwas in Verruf geratene Grätsche.

Lahm war zu Beginn dieser Dekade 21 Jahre alt. Er gehört damit zu den Jahrgängen, die die allerbesten Chancen auf die Inklusion in dieser Elf der Dekade haben. Er spielte 2005 bereits auf hohem internationalen Niveau und hielt dieses Level ohne gröbere Ausrutscher nach unten bis 2015. In diesem Zeitrahmen überzeugte er auf allen Ebenen: im Alltag der Bundesliga, ebenso wie in der Champions League oder bei großen Turnieren mit der Nationalmannschaft. Eine absolute Weltkarriere also. Auch ein Philipp Lahm spielt natürlich nicht fehlerlos – man denke an das EM-Finale 2008 – aber im Endeffekt waren seine Leistungen in Qualität und Quantität derart, dass kein anderer Linksverteidiger in den letzten 10 Jahren an seinem Thron rütteln konnte. Hätte ich ihn als Rechtsverteidiger aufgestellt, wäre die Sache etwas knapper gewesen, aber auch auf dieser Position war er aus meiner Sicht der eindeutig beste Spieler.

Thiago Silva

Tim Rieke von Spielverlagerung.de bezeichnete ihn vor der WM 2014 als den besten Innenverteidiger der Fußballgeschichte. Ich bin noch nicht ganz davon überzeugt, dass es angebracht ist, Thiago Silva so hoch einzuschätzen, aber den Platz in dieser Elf hat er sich dennoch verdient. Seine Karriere nahm eher spät Fahrt auf: Wie viele Brasilianer wechselte er bereits früh nach Europa, schaffte dort den Durchbruch jedoch nicht und ging noch mal für zwei Jahre nach Brasilien zurück. Im zweiten Anlauf gelang es ihm jedoch, sich sofort als Stammspieler beim AC Milan zu etablieren. Dort bildetete er zusammen mit dem großen Alessandro Nesta, wenn dieser denn fit war, ein enorm starkes Innenverteidigerduo. Als der Verein dann 2012 dringend Finanzmittel brauchte, wurde Silva an Paris Saint-Germain abgegeben. Dort spielt er bis heute und ist inzwischen auch Kapitän des Vereins. Zwischenzeitlich hatte er dieses Amt auch in der brasilianischen Nationalmannschaft inne. So viel zur Biographie, aber was zeichnet den Spieler Thiago Silva aus? Gegenfrage: Was nicht? Silva liegt mit 1,83 Meter etwas unter dem aktuellen Gardemaß für Innenverteidiger, aber abgesehen davon, ist er in allen Hinsichten ein Spieler auf Weltklasseniveau. Besonders herausstechend ist dabei seine Spielintelligenz, die sich u.a. in seinem Stellungsspiel und seinem intelligenten Spiel mit Ball abzeichnet. Auch in den klassischen Bereichen des Verteidigerhandwerks sind bei Silva quasi keine Schwächen zu erkennen. Im Gegenteil, es fällt auf, wie sauber viele seiner Defensivaktionen ausgeführt sind. Wenn ich so drüber nachdenke, ähneln sich die Stärken von Silva und Philipp Lahm sehr. (Nur das Lahms Karriere quantitativ noch mehr zu bieten hat.) Kein Wunder: Viele der von mir ausgewählten Spieler zeichnen sich durch eine hohe Spielintelligenz aus. Dabei möchte ich aber betonen, dass ich nicht nur einfach ein Faible für intelligente Spieler habe, sondern Spielintelligenz für eine noch immer unterschätzte Tugend halte. – Eine Bemerkung noch: Von allen von mir ausgewählten Spielern ist Thiago Silva derjenige, von dem ich die wenigsten Spiele im Laufe der letzten 10 Jahre gesehen habe. Spontan würde ich schätzen, dass ich von allen anderen ausgewählten Spielern mindestens 100 Spiele gesehen habe (von einigen deutlich mehr), aber im Falle von Thiago Silva komme ich eher nicht auf viel mehr als 50. Das ist sicherlich genug, um ein durchaus informiertes Urteil über ihn zu treffen – zumal viele high-profile Spiele darunter waren – aber ich möchte doch eingestehen, dass mein Urteil über ihn auf einer vergleichsweise schwächeren Basis ruht.

John Terry

Über Thiago Silva kann man also mit Fug und Recht sagen, dass er in jeder Hinsicht ein erstklassiger Defensivspieler ist. Gilt gleiches auch für John Terry? Nicht ganz. So stark Terry im klassischen Verteidigen ist, so begrenzt sind seine Fähigkeiten, wenn es um manche Aspekte des modernen Verteidigerspiels geht. Im Gegensatz zu Spielern wie Thiago Silva oder auch Mats Hummels steht er eher nicht in der Tradition der großen Liberos (Liberi?) der Vergangenheit. Er ist kein moderner Beckenbauer oder Baresi. Viel eher befindet er sich in der Nachfolge von konservativeren Verteidigern wie Jürgen Kohler oder Tony Adams. Wie ich im Text über Thiago Silva bereits erläuert habe, schätze ich eher die Spieler, die durch überragende Spielintelligenz bestechen, und halte dies nicht für eine gänzlich subjektive Meinung. Having said that, man muss kein zweiter Beckenbauer sein, um eine super Karriere auf höchstem Niveau hinzulegen. Terry war 2005 Weltklasse, ist 2015 Weltklasse und war die allermeiste Zeit dazwischen Weltklasse. Soweit ich sehe, lässt sich dies über keinen anderen Innenverteidiger sagen. Ähnlich wie sein langjäriger Klubkamerad Frank Lampard steht John Terry für langjährige, verlässliche Top-Leistungen. Lampard schafft es knapp nicht in diese Elf, da auf seiner Position andere Spieler quantitativ nahezu mithalten können, die qualitativ noch mehr bieten. Im Fall von John Terry kann quantitativ niemand mithalten und es gibt auch keinen zweiten Spieler neben Thiago Silva, der qualitativ so deutlich besser war und dies über einen hinreichend langen Zeitraum aufrecht erhalten konnte, dass er Terrys Platz in dieser Elf gefährden könnte. Mats Hummels war mal auf dem Weg dorthin, aber seine letzten beiden Jahre (minus WM) waren zu schwach, um einen Platz in der ersten Elf zu rechtfertigen. Zumal Terry auch alles andere als eine Verlegenheitslösung ist: Will man in einem konservativen Block verteidigen, fällt mir kaum ein verlässlicherer und defensiv stärkerer Spieler ein als John Terry – auch wenn er als Mensch, nach allem was man so hört, kein Symphat ist. In dieser Elf geht es jedoch nur um die Fußballer, nicht um die Menschen dahinter.

Dani Alves

Vermutlich der Spieler in dieser Elf mit den höchsten Energiereserven. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Dani Alves in der Lage als quasi-Flügelstürmer vorne Dauerdruck zu machen und gleichzeitig hinten noch einen Spieler vom Format eines Cristiano Ronaldo zu verteidigen. Das schaffen die wenigsten. Oder genauer: Das schafft Dani Alves und niemand sonst. Im Gegensatz zu manch anderen Spielern in dieser Elf war Dani Alves nie der sauberste Spieler in seinen Aktionen. Man hat bei ihm nicht den Eindruck, dass er einen großen Masterplan im Hinterkopf hat. Er kommt eher über seine Bissigkeit, seine Schnelligkeit, seine Technik, seine “determination” (um mal das Lieblingswort aller britischen Fußballkommentatoren zu benutzen) und die schon genannten, schier unerschöpflichen Energiereserven. Um nun aber nicht das Bild eines eindimensionalen Spieler aufkommen zu lassen: auch spielerisch hat Alves einiges drauf. Seine Kombinationen mit Lionel Messi sind seit nun 7 Jahren eine der großen Konstanten beim FC Barcelona. Insgesamt kann man sagen, dass sich Dani Alves gut in die Tradition offensiver brasilianischer Außenverteidiger einreiht. Diese verkörperten in den letzten Jahrzehnten bereits häufig die Weltspitze für diese bestimmte Rolle (R. Carlos, Cafu, C. Alberto). Dani Alves reiht sich stilistisch wie qualitativ nahtlos in diese ehrwürdige Tradition ein. Zudem muss man bedenken, dass Alves einer der Spieler ist, die über den gesamten hier behandelten Zeitraum überzeugt haben: Bevor er 2008 zu Barcelona wechselte, war er bereits Teil einer der stärksten spanischen Mannschaften der letzten Jahrzehnte, die nicht Barca oder Real heißen: dem FC Sevilla, der 2006 und 2007 den UEFA Cup bzw. die Europa League gewann.

Sergio Busquets
Noch in vielen Jahren werden Fußballfans von den beiden großen Mittelfeldspielern des FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft schwärmen. Xavi und Iniesta – Xaviniesta – die siamesischen Zwillinge, durch den Doppelpass verbunden. Sie dominierten die Spielfeldmitte, sie legten das Fundament zur vielleicht dominantesten Ära in der Geschichte des Weltfußballs, an sie wird man sich erinnern.

Ja, Xavi und Iniesta sind ganz wunderbare Fußballer. Ich vergöttere sie ebenfalls, keine Frage. Aber wer die beiden, und nur die beiden, hervorhebt und den dritten im Bunde, Sergio Busquets, unerwähnt lässt, macht einen schweren Fehler. Nicht nur verdient Busquets auch eine Erwähnung, sondern er verdient auf das gleiche Podest gestellt zu werden wie Xavi und Iniesta – mindestens.

Ich sag es mal ganz direkt: Ich halte Sergio Busquets für den besten defensiven Mittelfeldspieler aller Zeiten. Er muss richtig eingebaut werden, ja, man muss seine physischen Schwächen kaschieren, aber wenn man dies vermag, dann liefert er Leistungen, die ich so noch von keinem anderen gesehen habe. Es gab und gibt Spieler, die ähnliche Charakteristika aufweisen – Redondo fällt mir als erster ein, aber auch der reife Frank Rijkaard – aber was Busquets seit einigen Jahren zeigt, ist teilweise nochmal auf einem ganz anderen Level.

Ich werde nicht allzu viel über die Spielweise von Sergio Busquets sagen, da ich dies bereits in erschöpfender Form an anderer Stelle getan habe. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Busquets ein maßlos intelligenter Spieler ist, dessen Arbeit mit und ohne Ball qualitativ für sich steht. Er verfügt über eine nahezu perfekte Grundtechnik und ein im hohen Maße konstruktives Passspiel. Er ist für seine Größe von 1,89 Meter grenzwertig leicht und auffallend langsam, was bedeutet, dass er so eingebunden werden muss, dass er möglichst nicht in Sprintduelle mit Gegenspielern gerät. Er ist also nicht der perfekte Sechser. Man kann ihn nicht einfach in jede beliebige Mannschaft werfen und erwarten, dass er das Team seinem Potential entsprechend verstärkt. Wäre Busquets schneller, dynamischer und stärker als er es ist, wäre er ein noch besserer Spieler. Da seine Schwächen jedoch kaschiert werden können und seine Stärken maßlos sind, gebührt ihm der Platz in dieser Elf.

Mit 27 Jahren ist Busquets der jüngste Spieler in dieser Elf. Vor 2008 hat er am internationalen Spitzenfußball nicht teilgenommen. Dies spricht zweifelsohne gegen seine Wahl. Bereits kurz nach seinem Debüt in der ersten Mannschaft des FC Barcelona im Jahre 2008 erreichte Busquets jedoch ein Leistungsniveau, welches mit dem Begriff “Weltklasse” beschrieben werden kann. Von 2011 bis 2014 lagen seine Leistungen dann noch einmal eine Stufe höher. Danach spielte er eine schwache Weltmeisterschaft und eine ebenso enttäuschende Hinrunde der Saison 2014/15, um dann im Jahre 2015 wieder annähernd das Level der Jahre 2011 bis 2014 zu erreichen. In den Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 habe ich ihn jeweils als besten Spieler der Welt bewertet. Kein anderer “echter Sechser” hat in den letzten 10 Jahren auch nur annähernd einen solchen Leistungspeak erlebt. (Pirlo hatte fantastische Jahre, ist für mich aber kein “echter Sechser”, weil er nicht als einzelner Sechser spielen kann.) Wie bereits erwähnt, kenne ich auch sonst keinen Sechser, der jemals so gut gespielt hätte. Andere Sechser haben die ganze Dekade über zur internationalen Spitze gehört, aber in diesem Fall schlägt Qualität klar Quantität und meine Wahl fällt auf Sergio Busquets.

Teil 2 folgt in (vermutlich näherer) Zukunft.

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3 thoughts on “Team der Dekade 2005-2015 – Teil 1

  1. Das krasseste was man über Lahm sagen kann ist das mir keine 5 Spiele(auf AV) einfallen die für normale Außenverteidiger objektiv schlecht waren. es gibt ein paar mehr spiele wo er klar unter seinem Top-Niveau war und trotzdem waren nur 2-3 AVs in der Welt an diesen Tagen qualitativ in der nähe.

    Da ich Terry nicht mag, kannst du nicht auf irgendwas mit 3-er Kette umstellen? Sind ja schließlich nur Fußballhipster hier 😉

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    • Ich versuche da insofern über meinem Fußball-Hipster-Selbst zu stehen, als dass ich Terrys Leistung würdige, auch wenn ich seine Spielweise vergleichsweise wenig attraktiv finde. Kann sein, dass das zu Überkompensationen führen kann, aber ich bin im Falle von Terry nicht überzeugt, dass es sich hier um eine solche handelt.

      Aber was sagt das Hipster-Herz zur Dreierkette und dafür Pirlo als zweiter ZM neben Xavi, sowie Iniesta und Messi als double false nine? 😉 (Wobei es der Mannschaft vllt. besser tun würde, statt Pirlo Lampard reinzunehmen, um dem Mittelfeld ein wenig dringend benötigte Dynamik einzuflößen.)

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  2. Lass dir nix einreden.
    Neuer war schon bei Schalke minimum 2 Jahre Weltklasse bevor er zu Bayern kam.
    Nur weil das die öfffentlichkeit nicht registriert hat ändert das ja den Fakt nicht im geringsten. Und man glaubt es auch kaum: Schalke hat damals Champions League gespielt und Neuer hatte riesigen Anteil daran. (und das in dem Alter als Torwart!).
    Neuer hatt bei Schalke am Stück absurde Spiele abgeliefert sowas tut sonst nur Messi.

    Buffon lass ich mir vielleicht einreden, aber Cech hat 10 Jahr bei Chalsea hinter einer tiefstehenden Abwehr weitschüsse gefangen. Das ist mir zu wenig anforderung.

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